Brennnesseln

Die Brennnesseln (Urtica) bilden eine Gattung in der Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae) und gehören somit zu den Bedecktsamern (Magnoliophyta). In Mitteleuropa kommen vier Arten dieser Gattung vor.

Zeigerfunktion

Ein starker Brennnesselwuchs gilt allgemein als Zeiger für einen stickstoffreichen Boden und bildet sich oft als Ruderalflora auf früher besiedelten Stellen aus. Eine grosse Anzahl Brennnesseln in einem Gebiet erlaubt es somit, auch ohne chemische Untersuchungen, Rückschlüsse auf die Bodenbeschaffenheit zu ziehen.

Beschreibung

Brennnesseln sind krautige Pflanzen, selten auch Halbsträucher. Sie erreichen, je nach Art, Standort und Nährstoffsituation, Wuchshöhen von 10 bis 150 Zentimetern. Ihre Stängel sind zumeist unverzweigt und mit Brenn- sowie Borstenhaaren besetzt.

Die auf der Oberseite ebenfalls behaarten, länglichen Laubblätter sind bis zu acht Zentimeter lang und von tiefgrüner Farbe, nach vorne zugespitzt, am Ansatz herzförmig und am Rande meist grob gezähnt. Innerhalb einiger Arten gibt es jedoch auch Vertreter mit glattrandigen Blättern, dieses Merkmal wird etwa bei der Pillen-Brennnessel (U. pilulifera) rezessiv vererbt. Diese glattrandigen Pflanzen ähneln dem Majoran und waren besonders im 18. Jahrhundert als „Spanischer Majoran“ Mittelpunkt einiger derber Scherze. Bei den meisten Arten sind die Blätter kreuz-gegenständig angeordnet und besitzen häufig kleine Nebenblätter in den Blattachseln. Hier stehen auch die Blüten.

Die länglichen, in rispigen Blütenständen stehenden, winzigen bis kleinen, unauffälligen Blüten sind von weißer, gelegentlich blass-violetter Farbe und locken kleine Insekten als Bestäuber an. Die Blüten sind vorwiegend eingeschlechtig, enthalten also entweder die männlichen Staubbeutel oder einen weiblichen Fruchtknoten. Männliche und weibliche Blüten können je nach Art auf einer Pflanze (einhäusig = monözisch: u. a. Kleine Brennnessel, Pillen-Brennnessel) oder auf verschiedenen Pflanzen (zweihäusig = diözisch: Große Brennnessel) anzutreffen sein. Die Blüte selbst setzt sich meist aus vier Blütenhüllblättern (seltener können auch zwei bis fünf vorkommen) und einer ebenso großen Anzahl von Staubblättern zusammen. Der Fruchtknoten liegt zentral in der Blüte und wird von nur einem Fruchtblatt gebildet.

Die Vermehrung erfolgt vorwiegend vegetativ über Rhizome, ansonsten sind die Pflanzen windbestäubend, wenn sich die männlichen Hüllblätter öffnen, schnellen ihre Staubblätter hervor; dabei wird explosionsartig eine Wolke von Pollen in die Luft geschleudert. Der Wind überträgt anschließend den Pollen auf die weiblichen Blüten. Die Brennnessel blüht von Juni bis Oktober. Die oval elliptischen Früchte sind ein bis 14 Millimeter gross und werden als Nüsschen bezeichnet.

 
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