Halluzinogen

Als Halluzinogene werden psychotrope Substanzen bezeichnet, welche bedeutende Veränderungen in Denken und Perzeption, und somit eine stark veränderte Wahrnehmung der Realität hervorrufen können.Die namensgebende Gemeinsamkeit aller halluzinogenen Drogen ist das mögliche Auftreten von Halluzinationen. Es handelt sich hierbei jedoch nur um einen einzelnen Aspekt eines je nach Droge und Dosierung qualitativ sehr unterschiedlich veränderten Bewusstseinszustandes. Den durch Einnahme von Halluzinogenen ausgelösten Rauschzustand bezeichnet man als Trip.

Kulturgeschichte

Die Praxis der Nutzung halluzinogener Substanzen zu medizinischen und religiösen Zwecken reicht vermutlich bis in die Anfänge der Menschheitsgeschichte zurück.So ist die kultische Verwendung des Fliegenpilzes und psilocybinhaltiger Pilze in mehreren Teilen der Welt vor 7000 Jahren belegt, und diese hat sich bis in die Gegenwart im Kontext des sibirischen und zentralamerikanischen Schamanismus erhalten. Die psychoaktiven Eigenschaften des Stechapfels waren bereits im alten Griechenland bekannt. Auch wurde in Mitteleuropa dem Bier bis in das 17. Jahrhundert oft Bilsenkraut zugegeben, um die Wirkung zu verstärken.

Bis heute existieren viele Gemeinschaften, in denen der geregelte Gebrauch halluzinogener Substanzen eine zentrale Rolle einnimmt, etwa die Santo Daime-Kirche und die Native American Church. Doch auch Einzelpersonen nutzen privat Halluzinogene, um mit psychonautischen Mitteln die eigene Psyche zu erforschen oder spirituelle Zustände zu erfahren.

Einteilung

Die Halluzinogene umfassen psychoaktive Vertreter der Psychedelika, Dissoziativa und Delirantia. Bekannte oder oft genutzte Substanzen der jeweiligen Gruppen sind:

Psychedelika: LSD, Psilocybin (psilocybinhaltige Pilze), DMT (z.B. Ayahuasca), Mescalin (Peyote-Kaktus, San-Pedro-Kaktus) und LSA (Hawaiianische Holzrose, Ololiuqui) Dissoziativa: Ketamin, DXM, Salvinorin A (Wahrsagersalbei), PCP und Lachgas Delirantia: Scopolamin (Engelstrompeten, Stechapfel, Tollkirsche), Muscimol (Fliegenpilz, Pantherpilz) und DHM Pharmakologie [Bearbeiten]→ Hauptartikel: Trip Den durch Halluzinogene herbeigeführten, zum Teil fundamental veränderten Bewusstseinszustand bezeichnet man als Trip. Dieser erstreckt sich abhängig von Droge und Dosierung üblicherweise über mehrere Stunden, wobei die Phase größter Intensität (das Plateau) im Vergleich zur Gesamtdauer des Trips relativ kurz ist.

Psychedelika

Psychedelika entfalten ihre Effekte vorwiegend über agonistische Aktivität am 5HT2A-Rezeptor. Die Störung der Normalfunktion bestimmter Regelschleifen bewirkt hierbei eine Einschränkung der Filterfunktion des Thalamus; innere und äußere Reize sowie alle Arten von nicht bewussten Inhalten können in der Folge ungehindert in die Großhirnrinde aufsteigen und auf diesem Wege als Visionen im Bewusstsein erscheinen. Ferner kommt es zu einer Überaktivierung des Locus caeruleus und hierdurch zu großflächiger Noradrenalinausschüttung, was einen Zustand geistiger Transzendenz und das Erlangen spiritueller Erfahrungen bewirken kann.[9][10] Drogen, die diesen als psychedelisch bezeichneten Bewusstseinszustand herbeiführen können, bezeichnet man auch als Entheogene, insbesondere, wenn sie traditionell genutzt werden.

Dissoziativa

Die meisten dissoziativen Drogen fungieren primär als NMDA-Antagonisten und rufen auf diesem Wege durch Unterbrechung der normalen Integration von Bewusstseinsinhalten einen psychotomimetischen Zustand mit lebhaften Pseudohalluzinationen und außerkörperlichen Erfahrungen hervor. Auch werden nikotinische Acetylcholinrezeptoren blockiert, deren Einfluss auf die Psyche jedoch derzeit nicht bekannt ist. Viele Dissoziativa wirken dosisabhängig auch als Agonisten am σ1-Rezeptor, von dem angenommen wird, dass er unter anderem bei Schizophrenie und anderen Formen assoziativer Lockerung eine Rolle spielt. Dadurch können auf Dissoziativa ebenfalls spirituelle und psychedelische Zustände auftreten. Einen Spezialfall stellt das Salvinorin A dar, welches primär am K-Opioid-Rezeptor bindet, wodurch die dissoziative Komponente schwächer ausgeprägt ist.

Delirantia

Fast alle deliranten Drogen wirken durch Antagonismus an muskarinischen Acetylcholinrezeptoren anticholinergisch und weisen in rauscherzeugenden Dosen entsprechende Wirkungen auf. Es kann zu Verwirrtheit, Unruhe, Amnesien und echten, nicht als solchen erkannten Halluzinationen kommen, wodurch auf dem Trip durch „Phantomhandlungen“ eine recht hohe Unfallgefahr besteht. Es kommt nicht zum Erleben psychedelischer Zustände. Das Muscimol aus dem Fliegenpilz wirkt im Gegensatz dazu nicht anticholinergisch, sondern als Agonist an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren sowie am GABAA-Rezeptor. Die Wirkung ähnelt dadurch in Teilen der des Alkohols, welcher ebenfalls ein Delirantium ist, jedoch in sinnvoll konsumierbaren Dosen keine Halluzinationen hervorruft.

 
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