merkmal Geruch

Man unterscheidet vier Arten von Gerüchen:

  1. blumig-fruchtige Gerüche; sie sind immer angenehm und mild
  2. würzige Gerüche; sie sind ausgeprägt und oft sehr intensiv
  3. faulige Gerüche (stinkig, unangenehm und häufig auch sehr auffällig)
  4. spezifische Gerüche.

Klarstellung:

  • In den meisten Fällen ist der Geruch eines Pilzes am ausgeprägtesten in den Lamellen, bzw. den Röhren.
  • Es kann etwa vorkommen, dass ein besonderer Geruch dem Hutfleisch entströmt, wenn man dieses anschneidet. Kommt der Geruch nur aus der Stielbasis, so ist das Mycel der eigentliche Geruchsträger.
  • Der Geruch einer Art kann verschieden sein je nach dem Alter eines Fruchtkörpers, dem Feuchtigkeitsgrad seines Fleisches oder auch je nach der Lufttemperatur.
  • Selbstverständlich vermischt sich auch der an den Fingern haftender Zigarettengeruch mit dem Geruch des Pilzes, den die Finger halten.
  • Wenn eine Art nur sehr kleinen Fruchtkörpern hast, rate ich, gleich ein paar Exemplare zu nehmen und sie für einige Augenblicke in einer Plastikschachtel einzuschliessen. Öffnet man dann vorsichtig die Schachtel und schnuppere leicht, entströmt der Duft. Das Resultat kann sehr erstaunlich sein.
  • Das Geruchsvokabular der europäischen Sprachen ist ausgesprochen dürftig. Meistens begnügt man sich mit Vergleichen wie «Rosengeruch, Geruch nach Rettich, nach ranzigem Mehl oder nach Ziegenbock».
  • Die Fähigkeit, Gerüche unterscheiden zu können, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Allerdings ist es durchaus möglich ist, den Geruchssinn durch Üben regelrecht zu trainieren.
  • Um einen Geruch möglichst gut aufnehmen zu können, darf man auf keinen Fall am Pilz fest schnaufen. Im Gegenteil: man nimmt dabei nur kurze, aber wiederholte Schnüpperchen!
  • Es gibt auch Pilze, die ihren besonderen Geruch erst dann ausströmen, wenn sie getrocknet worden sind: der Steinpilz und die Morcheln sind Musterbeispiele dafür. Einen weiteren, bemerkenswerten Fall stellen die Trüffel dar: Erst am Schluss ihrer Entwicklung, kurz bevor ihre Fruchtkörper wieder zu zerfallen beginnen, entströmt ihnen ein sehr intensiver Geruch, der den Boden durchdringt, unter dem sie vergraben sind, damit gewisse Fliegen anzieht und auch die Geruchsorgane der Hunde und der Trüffelschweine zu erregen vermag.

Selbstverständlich gibt es keine vollständige Liste der Pilze mit Gerüchen. hier ein paar Beispiele:

Pilze mit blumig-fruchtigem Geruch

Der Eierschwamm (Cantharellus cibarius) und seine Vettern, die Gelbe Kraterelle (C. lutescens) und der Graue Leistling (C. cinereus) duften nach Mirabellen oder Aprikosen. Seinen Namen trägt der Birnen-Risspilz (Inocybe pyriodora) nicht etwa deshalb, weil er gut zu essen ist - er ist im Gegenteil sogar giftig -wohl aber duftet er nach Birnen. Das gleiche Schicksal hat (oder würde bereiten) auch der wunderbar riechende aber schrecklich scharfe Stachelbeertäubling (Russula queletii). Und nach Birnenschnaps riecht der wohlriechende Dickfuss (Cortinarius traganus var. finitimus), nach Hyazinthen der Hyazinthenschneckling (Hygrophorus hyacinthinus) und nach Veilchenwurzel der Veilchenrötelritterling (Lepista irina). Eine ganze Reihe von Arten duften gerade wie zerriebene Geranienblätter, wie der Gallentäubling (Russula fellea). Auch der Anisgeruch kommt häufig vor. Nicht nur der Trichterling strömt ihn aus, auch die Anistramete (Trametes suaveolens) trägt ihren Namen zu Recht. Ähnlich riechen der Aniszähling (Lentinellus cochleatus) und einige Stachelpilze wie z. B. der Wohlriechende Korkstacheling (Hydnellum suaveolens). Der Kleine und der Dunkle Duftmilchling (Lactarius glyciosmus und L. fuscus) duften nach Kokosnuss, und der Erfinder der Maggiwürze hat kaum geahnt, dass ein Milchling einmal seinen Namen tragen würde (Maggipilz, Lactarius helvus). Der Wohlriechende Schneckling (Hygrophorus agathosmus) und der Wurzelnde Fälbling (Hebeloma radicosum) haben einen unverkennbaren Bittermandelgeruch. Der Mönchskopf (Clitocybe geotropa) riecht ein bisschen nach Blausäure - er enthält sogar eine Spur dieser Substanz. Wer sein Geruchsgedächtnis trainiert hat, kann diesen Pilz schon mit geschlossenen Augen erkennen. Dies gilt auch für den Sellerie-Ritterling (Tricholoma opium).

Pilze mit würzigem Geruch

Hier sind nur gerade zwei Gerüche erwähnenswert, sie sind allerdings recht häufig: der Geruch nach Rettich und der nach Mehl zb beim Rettich-Helmling(Mycena pura)

Gleich riechen auch einige Fälblinge und Haarschleierlinge. Eine geübte Nase unterscheidet leicht zwischen dem Geruch nach frischem und dem nach ranzigem Mehl. Unter den Pilzen mit weissem oder rosafarbenem Sporenstaub ist der Mehlgeruch recht verbreitet. Das beste Beispiel ist wohl der Mairitterling (Calocybe gambosa). Auf lateinisch heisst er auch noch Tricholoma georgii, weil er schon um den Georgstag (23. April) erscheint. Die Gegenwart dieses Pilzes kann eine Kennernase schon meterweit «erriechen».

Pilze mit fauligem Geruch

Der Ausdruck «faulig» ist natürlich recht vage und bezeichnet auf alle Fälle etwas Unangenehmes:

  • Fischgeruch wie beim Heringstäubling (Russula xerampelina);
  • Spermatischer Geruch, bei vielen Risspilzen;
  • Seifengeruch wie beim Seifenritterling (Tricholoma saponaceum)oder besser «Waschküchengeruch»;
  • Aasgeruch wie bei der Stinkmorchel (Phallus impudicus);
  • Tintengeruch, entströmt auch dem Karbolegerling (Agaricus xanthoderma) - mindestens dann, wenn er gerade gekocht wird
  • Gasgeruch wie beim Schwefelritterling (Tricholoma sulphureum);
  • Ammoniakgeruch, z. B. eines Helmlings, Schnecklings oder des Alkalischen Rötlings (Entoloma nidorosum) u.a..

Es gibt noch viele weitere «faulige» Gerüche.

Pilze mit spezifischen Gerüchen

Oft benützen Autoren den Ausdruck «Pilzgeruch», wenn sie den Geruch eines bestimmten Pilzes nicht genau zu nennen vermögen.

Wenn der Geruch dazu noch eine unangenehme Komponente aufweist, findet man auch den Ausdruck «erdig».

Ein typisches Beispiel ist der Erdigriechende Schleimkopf (Cortinarius variecolor), den der Anfänger bzw. der Unaufmerksame sehr leicht mit dem Violetten (oder Nackten) Rötelritterling (Lepista nuda) verwechseln kann.

In den Pilzbüchern findet man noch weitere Angaben über die Pilzgerüche. Allerdings ist es häufig eine subjektive Angelegenheit , einen gewissen Duft wahrzunehmen und diesen Geruch dann sogar noch in Worte zu fassen.

 
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