merkmal Lamellen

Weil die Lamellen das Wichtigste am Fruchtkörper sind, versteht man auch, warum der Pilzkenner einen Pilz zunächst einmal umdreht. Wenn man das bei verschiedenen Pilzen macht, stellst man bald einmal fest, dass sämtliche Lamellen aller Pilze zwar am Hutrand beginnen und gegen den Stiel zu verlaufen. Bei manchen Pilzen erreichen alle Lamellen den Stiel; bei andern tun sie dies aber nur zum Teil, sie sind ungleichlang untermischt. Dabei werden die kürzeren Lamellen „Lameletten“ (=kleine Lamellen) genannt. Bei noch anderen Fruchtkörpern gabeln sich die Lamellen. Man stellt auch fest, dass bei gewissen Pilzarten die Lamellen weit entfernt von einander, bei andern aber sehr nahe sind, was man als gedränt bezeichnet. Manchmal bilden sich zwischen Lamellen schmal verbindende Queradern (Anastomosen); die Lamellen sind aderig verbunden. Wenn man sich nun vorstellt, dass diese Queradern sehr nahe beieinander und ebenso breit wie die Lamellen sind, hat man in Gedanken aus dem Blätterpilz einen Röhrling gemacht. Diese beiden Pilzfamilien sind wirklich sehr nahe miteinander verwandt.

Findet man ein Buch mit guten Abbildungen, sucht einmal das Goldblatt! Man vermagt kaum zu entscheiden, ob der abgebildete Pilz ein Blätterpilz mit vielen Queradern oder ein Röhrling mit riesigen Röhren ist. Dass man ihn etwa auch „Blätter-Röhrling“ nennt, sagt genug. Aber bitte nicht für den Kochtopf sammeln; der Pilz ist nämlich recht selten.

Schneidet man als erstes einen Fruchtkörper von oben nach unten senkrecht durch, und schaut sicht die Lamellen einmal nicht von unten sondern von der Seite genauer an. Was die Begriffe vorn, hinten, Rücken, Schneide und Fläche bedeuten, sieht man in den Abbildungen. Lamellen haben eine Form; sie können schmal oder breit (verglichen mit der Dicke des Hutfleisches), sichelförmig, dreieckig, bauchig oder gerade sein. Ein Querschnitt durch eine Lamelle zeigt auch die Dicke: beim Brandtäubling sind die Lamellen sehr dick, beim Champignons dünn und bei den Tintlingen sogar sehr dünn. Der Konsistenz nach haben die meisten Täublinge spröde (= brüchige ) Lamellen, andere Pilzfruchtkörper aber biegsame, zähe oder holzige .

Lamellenhaltung

Am allerwichtigsten aber ist der Lamellenansatz, d.h. die Art und weise, wie die Nahtstelle zwischen Lamellen und Stiel aussieht. Die Lamellenhaltung kann frei, frei und hinten abgerundet, angeheftet, breit angewachsen, herablaufend, ausgebuchtet und mit Zahn herablaufend oder dreieckig sein. Innerhalb einer Art ist die Lamellenhaltung meist erstaunlich konstant, und deshalb benützt man dieses Merkmal, um die verschiedenen Pilzarten zu gruppieren, d.h. in Gattungen und Familien zusammenzulegen bzw. darauf zu verteilen.

Lamellenschneide

Die Lamellenschneide kann ganz verschieden ausgebildet sein, vielleicht ist sie scharf (= glatt ), gezähnelt, gesägt, gekerbt, bewimpert oder sogar gespalten. Geradezu wunderlich kann es aussehen, wenn die Schneide eine andere Farbe als die Lamellen selbst hat. Um die Schneide untersuchen zu können, braucht man übrigens eine Lupe (8- oder 10fach).

Lamellenfarbe

Natürlich spielt auch die Lamellenfarbe eine Rolle. Sowohl der junge als auch der alte Knollenblätterpilz haben weisse Lamellen. Bei andern Arten verfärben sich die Lamellen vielleicht mit zunehmendem Alter des Pilzes. So sind sie beim jungen Wiesenchampignons hübsch rosa; sie werden dann rötlich und schliesslich schokoladenbraun, ja fast schwarz. Die noch sehr jungen Sporen dieses Pilzes sind fast farblos , die reifen aber rotbraun, merkst man, dass die Farbveränderung der Lamellen etwas mit der Sporenfarbe zu tun hat. Wenn man also die Eigenfarbe der Lamellen - die nicht gleich zu sein braucht wie die Farbe der Sporen - feststellen will, muss man dies bei ganz jungen Pilzen tun. Sonderbarerweise haben die Lamellen gewisser Pilzarten nicht gleichfarbige sondern scheckigbunte Lamellen. Das rührt davon her, dass die Sporen zu verschiedenen Zeiten reifen. Verschiedene Arten neigen dazu, dass sich beim berühren die Farbe der Lamellen/Röhren ändert. So sind die Lamellen des Kahlen Kremplings olivocker; nachdem man sie aber berührt hast, werden sie sofort braunfleckig.

Lamellen

Lamellenanordnung (Abb. 1 - 7)

  1. gleichlang, durchgehend

  2. ungleichlang, untermischt

  3. gegabelt

  4. aderig verbunden, anastomosiernd

  5. entfernt stehend

  6. gedrängt

  7. vorn (A),

      hinten (B)

      Rücken (C),

      Schneide (D),

      eine Fläche (E)

 

Lamellenform (Abb. 8 - 13)

  8. schmal (A),       dünn (B)

  9. breit (A),       dick (B)

10. bauchig

11. gerade

12. bogig, sichelförmig

13. dreieckig

 

Lamellenansatz (Abb. 14 - 20)

14. frei

15. frei und hinten abgerundet

16. angeheftet

17. breit angewachsen

18. herablaufend

19. ausgebuchtet

20. ausgebuchtet und mit Zahn herablaufend

 

Lamellenschneide (Abb. 21 - 26)

21. glatt

22. gezähnelt

23. gesägt

24. gekerbt

25. bewimpert

26. scharf (A),       stumpf (B),       Schneide gespalten (C)

 
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