merkmal Stiel

Thema ist der Stiel der Blätter- und Röhrenpilze. Geradezu in die Augen springend ist der Stiel im allgemeinen zwar nicht; aber er hat eine wichtige Aufgabe: Nicht nur hält der Stiel den Hut, er hebt ihn auch über den Erdboden oder seine sonstige Unterlage hinauf in die Höhe.

Hut und Stiel

(Abbildungen 1 - 6)

Meist sind Hut und Stiel fest miteinander verbunden, sie sind homogen ; denn ihr Fleisch ist einigermassen gleich aufgebaut. Andere Pilze sind aber heterogen, d.h. ihr Hut löst sich leicht vom Stiel ab, weil zwischen den beiden eine besonders ausgebildete Zwischenschicht besteht. Bei den meisten Pilzen befindet sich die Ansatzstelle des Stiels genau in der Hutmitte; der Hut ist zentral . Manchmal ist er aber exzentrisch , d.h. zwischen der Hutmitte und dem Rand befestigt. Trägt der Stiel den Hut ganz an dessen Rand, bezeichnet man dies als seitlich oder lateral . Und schliesslich kann der Stiel sogar ganz fehlen; der Fruchtkörper ist dann ungestielt. Das kommt etwa bei Pilzen vor, die nicht auf dem Erdboden, sondern auf einem Ast wachsen und darum sowieso etwas in die Höhe gehoben sind.

Beim Stiel selbst gibt es Form, Farbe, Oberfläche, Konsistenz, Basis und Reste der äusseren und der inneren Hülle festzustellen.

Stielform

(Abb. 7 - 15)

Ist ein Stiel von oben bis unten überall etwa gleich dick, bezeichnet man ihn als zylindrisch. Er kann aber auch gegen oben verjüngt oder gegen unten verjüngt sein: letzteres heisst auch ausspitzend oder zugespitzt . Ist er an beiden Enden zugleich verjüngt, nennt man ihn spindelig . Ausdrücke wie bauchig, aufgeblasen, keulig, verdreht, fadenförmig und borstenförmig erklären sich eigentlich von selbst.

Stielfarbe

Was für die Hutfarbe gilt, gilt auch für den Stiel. Und bitte beachten: Pilz nie mit der Faust halten sondern wie ein rohes Ei sorgfältig zwischen Daumen und Zeigefinger!

Stieloberfläche, Stielbekleidung

(Abb. 16 - 24)

Die Stieloberfläche kann sehr verschieden sein: kahl oder behaart, trocken, feucht oder schmierig, glatt gerillt, gefurcht, bereift, mehlig, körnig, faserig, runzelig, grubig, genetzt , flockig oder schuppig . Ist der Stiel genattert , so vermag man mit einiger Fantasie horizontale Bandmuster auszumachen, die gleich oder verschiedenfarbig sein können. Die ursprüngliche Stielhaut oder aber die Reste der allgemeinen Hülle wurden durch das Längenwachstum des Stiels aber zerrissen. Sind diese Bänder sehr klar und (fast) ohne Querrisse, wird der Stiel als gegürtelt bezeichnet. Im Übrigen braucht ein Stiel ganz und gar nicht auf seiner ganzen Oberfläche die gleiche Bekleidung oder die gleiche Farbe aufzuweisen. Besonders das oberste Drittel sieht manchmal ganz anders aus als der untere Teil. So hat es vielleicht gleich unter dem Lamellenansatz ein vom Stiel verschiedenfarbiges und sehr hübsches Kränzlein von feinsten Kriställchen oder winzigen Tröpflein.

Stielfleisch, Konsistenz der Stieltrama

(Abb. 25 und 26)

Der Stiel bzw. sein Fleisch kann hart oder weich , steif oder biegsam , brüchig oder sogar gebrechlich , korkig oder zäh sein. Es gibt auch ausgesprochen fleischige , knorpelige , borstenartige oder faserige Stiele. Manche sind im Schnitt hohl oder ganz einfach voll . Ist der Stiel hohl, seine Höhlung aber wie die in einem Holunderast mit lockerem Mark- oder watteartigem Material ausgefüllt, bezeichnet man ihn als ausgestopft . Und wenn sich im Hohlraum einzelne Querwände zeigen, spricht man von einem gekammerten oder zellig - hohlen Stiel. - Die innere Struktur eines Stiels hat natürlich etwas mit seiner Festigkeit zu tun.

Stielbasis und Reste der äusseren Hülle

(Abb. 27 - 35)

Typischerweise kann die Basis stumpf, rübenförmig, ausspitzend (=zugespitzt), wurzelnd (es sieht nur wie eine Wurzel aus, ist aber keine) oder knollig sein. Manchmal ist die Knolle wie abgesetzt, die Basis wird dann als gerandet-knollig bezeichnet. Dieses Rändlein hat etwas mit der allgemeinen Hülle zu tun. Ihre Reste können aber auch anders aussehen und die Stielbasis darum lappig - bescheidet , warzig - gegürtelt oder beschnitten sein. In sehr seltenen Fällen wächst der Pilz aus einem Sklerotium , aus einem sehr harten Dauermyzel.

Rest der inneren Hülle, Ring, Manschette

(Abb. 36 - 40)

Wenn der Pilz eine innere Hülle aufweist, kann diese spinnwebartig (= haarschleierförmig ), schleimig oder häutig sein. Dementsprechend bilden die Hüllreste an der oberen Stielhälfte einen haarförmigen , schleimigen , flockigen oder häutigen Ring . Der häutige Ring ist vielleicht aufsteigend (d.h. nach unten abziehbar), hängend (nach oben abziehbar), verschiebbar (= beweglich ) oder auch doppelt . Dazu kann er glatt oder gerieft sein. Oft sind die Ringreste aber sehr vergänglich oder flüchtig , d.h. man sieht sie nur am ganz jungen Fruchtkörper gut. Anderseits kann es auch, allerdings nur recht selten vorkommen, dass ein aufsteigender Ring bis zur Stielbasis hinunter abziehbar ist; einen solchen Stiel bezeichnet man als gestiefelt .

Stielmerkmale

Hut und Stiel (Abb. 1 - 6)

  1. Hut und Stiel homogen (fest verbunden)

  2. Hut und Stiel heterogen (trennbar)

  3. Stiel zentral

  4. Stiel exzentrisch

  5. Stiel lateral (seitlich gestielt)

  6. Fruchtkörper ungestielt

Stielformen (Abb. 7 - 15)

  7. Stiel zylindrisch

  8. Stiel gegen oben verjüngt

  9. Stiel ausspitzend, zugespitzt

10. Stiel spindelig

11. Stiel bauchig

12. Stiel aufgeblasen

13. Stiel keulig

14. Stiel verdreht

15. Stiel faden- borstenförmig

Stieloberfläche, Stielbekleidung (Abb. 16 - 24)

16. Stiel faserig

17. Stiel gerillt

18. Stiel gefurcht

19. Stiel körnig

20. Stiel grubig

21. Stiel genetzt

22. Stiel schuppig

23. Stiel genattert

24. Stiel gegürtelt

Stielfleisch (Abb. 25 und 26)

25. Stiel hohl (A), ausgestopft (B), enghohl (C)

26. Stiel gekammert, zellig-hohl

Stielbasis und Reste der äusseren Hülle

(Abb. 27 - 35)

27. Basis stumpf

28. Basis rübenförmig

29. Basis wurzelnd

30. Basis knollig (A), mit Knöllchen (B)

31. Basis kreiselförmig (A), gerandet knollig (B)

32. Basis lappig bescheidet

33. Basis warzig gegürtelt

34. Basis mit kreisförmig beschnittener Scheide

35. Basis einem Sklerotium entspringend

Reste der inneren Hülle, Ring, Manschette

(Abb. 36 - 40)

36. Ring spinnwebartig, haarschleierförmig

37. Ring aufsteigend

38. Ring hängend

39. Ring beweglich

40. Stiel gestiefelt (A), Ring doppelt (B)

 
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