Hallimaschartige (Armillariaceae)

Die Hallimasche (Armillaria spp., auch bekannt als Honigpilz) bilden eine in Mitteleuropa beheimatete Pilzgattung in mehreren, schwer unterscheidbaren Arten bzw. Kleinarten. Man spricht hier auch von einem Aggregat, einem Hallimaschkomplex. Allen Arten gemeinsam ist der deutlich erkennbare „wattige“ Ring (lat. Armilla = Armband) am Stiel, der aber im Verlaufe der Reifung durch Witterungseinflüsse und Schneckenfrass verloren gehen kann. Der Pilz wird auch als Parasit bezeichnet, da er auch lebende Bäume befällt und damit den Baum sterben lässt.

Etymologie

Zur Herkunft des deutschen Namens „Hallimasch“ gibt es verschiedene widersprüchliche Angaben: Einmal soll er von „Heil im Arsch“ kommen wegen seiner angeblich kurativen Wirkung bei Hämorrhoiden. Eine andere etymologische Deutung leitet ihn von „Höll' im Arsch“ ab, da die Hallimasche im rohen oder ungenügend gekochten Zustand eine stark abführende Wirkung besitzen.

Geniessbarkeit

In jedem Fall sind die Pilze in rohem Zustand giftig. Auch können gelegentlich, trotz korrekter Zubereitung, Unverträglichkeitsreaktionen auftreten. Gründlich (z. B. 8 Min. lang) gegarte Hallimasche sind aber in vielen Gegenden, z. B. dem nordostitalienischen Venezien, auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei und neuerdings im Raum Basel sehr beliebte, in Zentnermengen gesammelte und vermarktete Speisepilze.

Eine weitere Besonderheit der Hallimasche sind ihre Fähigkeit zur Biolumineszenz, d. h. das Pilzmyzel, und insbesondere frisch vom Myzel durchwuchertes Holz, kann - in völliger Dunkelheit mit blossem Auge gut erkennbar - durch chemische Prozesse ein kaltes Leuchten erzeugen: „Leuchtendes Holz“.

Besonderheiten

Rhizomorphe des Hallimasch

Von den meisten anderen Pilzarten unterscheiden sich die Hallimasche auch durch die Bildung von Rhizomorphen. Das sind wurzelähnlich sklerotisierte Pilzhyphenstränge aus tausenden von weissen Hyphen mit einer isolierenden schwarzen Aussenschicht. Unter der Rinde befallener Bäume können diese flachen schwarzen „Schnürsenkelgebilde“ leicht entdeckt werden. Mit Hilfe dieser Rhizomorphen, die jährlich bis zu drei Meter auch im Boden wachsen können, breiten sich die Hallimasche stark aus und greifen selbst gesunde Bäume in ihrer Reichweite an. Die Hallimasche zählen zu den gefährlichsten Forstschädlingen, da sie in der Wahl ihrer Wirte sehr flexibel sind. Sie können die allermeisten Gehölze (Laub- und Nadelholz, alle möglichen tropischen Plantagen-Bäume bis hin zu Ölpalmen, ja selbst Reben, Brombeeren und sogar Kartoffeln) besiedeln. In Europa zählen nur die Weisstanne (Abies alba) und die Eibe (Taxus baccata) zu den wenigen Ausnahmen, die nicht befallen werden. Oft werden z. B. durch Dürre oder Borkenkäfer vorgeschädigte Bäume bevorzugt.

Die Pflanzen zweier myko-heterotropher, also blattgrünloser Orchideengattungen in Asien bzw. Australien (Galeola, Gastrodia) gelten als Epiparasiten an Hallimaschen, das heisst, sie lassen sich von ihnen Nährstoffe zuführen, die diese wiederum ihren Wirtspflanzen entzogen haben

Das grösste Lebewesen der Erde?

Das im Jahr 2000 aufgrund eines rätselhaften Waldsterbens entdeckte Myzel einer Hallimaschart (A. ostoyae) im Malheur National Forest (Oregon, USA) wurde wegen seiner Ausdehnung von über 880 Hektar, dem errechneten Alter von mindestens 2400 Jahren und seiner Masse von ca. 600 Tonnen als das grösste bekannte Lebewesen der Erde bezeichnet. Es gibt aber wahrscheinlich noch ausgedehntere Bestände klonal wachsender Pflanzen wie Schilf, Heidelbeere, Bambus u. ä., die ein grösseres Gesamtgewicht aufweisen.

Der grösste Hallimaschklon (auch A. ostoyae) Europas wurde 2004 in der Schweiz beim Ofenpass entdeckt. Er ist im Durchmesser 500 bis 800 Meter gross, bedeckt eine Fläche von 35 Hektar und ist etwa 1000 Jahre alt.

Beschreibung

  • Der Hut ist bräunlich bis honiggelb, mit dunklen, büscheligen und haarigen Schüppchen und bleibt während des Wachstums am Rand lange eingerollt. Gerne halten sich in diesem geschützten Hohlraum Pilzkäfer auf. Diese führen zu „unappetitlichen“ Flecken auf den Lamellen.
  • Die Lamellen sind weiss bis rötlichgelb.
  • Der bis zu fünfzehn Zentimeter lange, gelblichbraune Stiel ist wegen büscheligen Hervortretens oft gekrümmt.
  • Vorkommen: Die Hallimascharten sind in gemässigten bis tropischen Zonen weltweit verbreitet.

Arten

Deutscher Name Botanischer Name Vorkommen Speisewert
Zwiebelfuessiger Hallimasch Armillaria cepistipes vorwiegend auf totem Laubholz, büschelig; Spätsommer bis Spätherbst. kein Speisepilz
MoorhallimaschArmillaria ectypa vor allem im Moor, zwischen Torfmoosen. kein Speisepilz
Honiggelber Hallimash Armillaria mellea vorwiegend auf totem Laubholz, büschelig; Spätsommer bis Spätherbst. bedingt essbar
Dunkler Hallimash Armillaria ostoyae auf Nadelholz, vor allem auf Fichtenstrünken, büschelig; Spätsommer bis Spätherbst. bedingt essbar
Ringloser Hallimash Armillaria tabescens vor allem auf Eichen- oder Edelkastanienstrünken. kein Speisepilz
 
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