Rauköpfe (Leprocybe)

Die Rauköpfe (Leprocybe) sind eine Untergattung der Haarschleierlinge (Cortinarius). Einige Arten sind tödlich giftig.

Typisch für die Rauköpfe sind die trockenen, in der Regel nicht hygrophanen Hüte sowie die in den Fruchtkörpern meist enthaltenen fluoreszierenden Substanzen, die unter UV-Licht gelb bis gelbgrün, blaugrün oder blau leuchten.

Beschreibung

  • Die Oberfläche des Hutes ist samtig feinfaserig bis filzig-schuppig.
  • Die Form ist halbkugelig bis gewölbt, einige Arten sind mehr oder weniger gebuckelt.
  • Es gibt gelbe, olivgelbe bis olivgrüne, orange oder rostrote Töne in der Hutfarbe und im restlichen Pilzkörper.
  • Der Stiel ist meistens sehr ähnlich wie der Hut gefärbt.
  • Er ist gegürtelt, genattert, gebändert oder zoniert.
  • Die Lamellen sind meist ausgebuchtet angewachsen. Ihre Farbe ähnelt der des Hutes, wird aber bei Sporenreife durch den Rostton der Sporen übertönt.
  • Das Fleisch ist meist heller, jedoch mit den gleichen Farben wie Hut und Stiel.
  • Vom Geruch her sind die Rauköpfe meist unauffällig.
  • Der Geschmack – soweit bekannt – ist mild bis leicht bitter.
  • Die Farbe des Sporenpulvers ist rostbraun.

Mikroskopische Merkmale

Die Sporen sind rundlich bis elliptisch. Die Oberfläche ist mit feinen Warzen bedeckt. Die Hyphen der Hutdeckschicht sind 10-20 μm breit.

Bestimmung

Für die Bestimmung der Arten ist die Farbe der Lamellen bedeutsam. Weitere Unterscheidungsmerkmale sind Farbe und Beschaffenheit der Hutoberfläche und die Bäume (Mykorrhizapartner) am Standort des Pilzes.

Vorkommen

Die Rauköpfe wachsen ausschliesslich auf Erde im Laub- oder Nadelwald. Erscheinungszeit ist vor allem der Herbst bis Spätherbst.

Speisewert und Giftigkeit

Die Rauköpfe sind ohne Speisewert. Die gelben oder rot- bis orangefarbenen Arten sind giftig bis giftverdächtig. Zwei besonders toxische Arten sind Orangefuchsiger Raukopf (Cortinarius orellanus) und Spitzgebuckelter Raukopf (Cortinarius rubellus), die schon in geringen Mengen tödliche Dosen von Orellanin enthalten, das bei einer Vergiftung zum Orellanus-Syndrom führt, mit nicht seltenem tödlichen Ausgang.

Systematik

Die Rauköpfe werden manchmal in folgende Sektionen eingeteilt:

  • Sektion Legrocybe: eher olive bis olivgelbe Farben
  • Sektion Orellani und Limonei: eher gelbe bis orange-fuchsige Farben
Deutscher Name Botanischer Name Vorkommen Speisewert
Orangefuchsiger Rauhkopf Cortinarius orellanus im Laubwald, vorwiegend in wärmeren Regionen z. B. bei Eiche, Buche, Hasel. sehr giftig
Spitzgebuckelter Orangeschleierling Cortinarius rubellus vorwiegend im Nadelwald, auf saurem Boden bis in höhere Lagen. sehr giftig
Purpurbrauner Hautkopf Cortinarius anthracinus vorwiegend im Laubwald, unter Birken oder Buchen; Spätsommer bis Herbst. giftig
Rotschuppiger Rauhkopf Cortinarius bolaris vorwiegend im Laubwald, selten auch im Nadelwald. giftig
Rhabarberfüssiger Rauhkopf Cortinarius callisteus im Nadelwald, auf saurem, magerem Boden. giftig
Zinnoberroter Wasserkopf Cortinarius cinnabarinus im Laubwald, vorwiegend unter Buchen (Fagus) und Hainbuchen (Carpinus); Sommer bis Herbst. giftig
Safranblättriger Hautkopf Cortinarius cinnamomeoluteus Laub- und Nadelwald. giftig
Zimthautkopf Cortinarius cinnamomeus im Nadelwald oder bei Birken, auf saurem Boden; Sommer bis Herbst. giftig
Gelbblättriger Hautkopf Cortinarius croceus vorwiegend im Nadelwald, bis in höhere Lagen, seltener im Laubwald. giftig
Goldgelber Rauhkopf Cortinarius gentilis im Nadelwald, auf saurem Boden. giftig
Löwengelber Rauhkopf Cortinarius limonius im Nadelwald, auf saurem, magerem Boden. giftig
Kegeliger Rauhkopf Cortinarius humicola im Laubwald, vorwiegend bei Buchen, auf kalkreichem Boden. giftig
Blutroter Hautkopf Cortinarius sanguineus vorwiegend im feuchten bis moorigen Nadelwald, seltener im Laubwald; vorwiegend im Herbst. giftig
Gelbgeschmückter Rauhkopf Cortinarius saniosus im Laub- und Nadelwald, bei Weiden, am Rand von Wiesen. giftig
Blutblättriger Hautkopf Cortinarius semisanguineus vorwiegend im Nadelwald, auf saurem Boden; Sommer bis Herbst. giftig
Goldfuchsiger Dickfuss Cortinarius tophaceus im Laubwald. giftig
Grünerlenhautkopf Cortinarius alnophilus in höheren Lagen bei Grünerlen (Alnus viridis). kein Speisepilz
Orangefüssiger Hautkopf Cortinarius bataillei oft bei Torfmoos (Sphagnum), in Berglagen kein Speisepilz
Birkenrauhkopf Cortinarius betuletorum im Laubwald, vorwiegend bei Birken, auf saurem, magerem Boden. kein Speisepilz
Zimtfuchsiger Hautkopf Cortinarius cinnamomeofulvus im Nadelwald oder bei Birken, auf saurem Boden; Sommer bis Herbst. kein Speisepilz
Olivgelber Rauhkopf Cortinarius colymbadinus im Nadelwald.kein Speisepilz
Olivbrauner Rauhkopf Cortinarius cotoneus im Laubwald, vorwiegend unter Buchen. kein Speisepilz
Safrankegeliger Hautkopf Cortinarius croceoconus vorwiegend in feucht-sumpfigem Nadelwald, oft bei Torfmoos (Sphagnum). kein Speisepilz
Ganzgelber Hautkopf Cortinarius holoxanthus im Nadelwald. kein Speisepilz
Braunhütiger Sumpfhautkopf Cortinarius huronensis im Moor oder auf feuchtem Boden bei Torfmoos (Sphagnum). kein Speisepilz
Feuerfüssiger Rauhkopf Cortinarius ignipes im Nadelwald. kein Speisepilz
Orangegrüner Hautkopf Cortinarius malicorius im Nadelwald, seltener im Laubwald. kein Speisepilz
Braunnetziger Rauhkopf Cortinarius melanotus im Laubwald. kein Speisepilz
Honigfarbener Rauhkopf Cortinarius mellinus im Nadelwald. kein Speisepilz
Grünblättriger Hautkopf Cortinarius olivaceofuscus im Laubwald, vor allem bei Hagebuche (Carpinus). kein Speisepilz
Blassstieliger Hautkopf Cortinarius pallidipes in subalpinem Nadelwald oder Zwergstrauchheide. kein Speisepilz
Hallimaschrauhkopf Cortinarius phrygianus im Nadelwald, evtl. bis in höhere Lagen. kein Speisepilz
Papageienrauhkopf Cortinarius psittacinus im Laubwald, vorwiegend unter Buchen. kein Speisepilz
Rotbeschleierter Hautkopf Cortinarius purpureus vorwiegend im Nadelwald, auf saurem Boden; Sommer bis Herbst. kein Speisepilz
Rettichrauhkopf Cortinarius raphanoides im Laubwald, vorwiegend bei Birken, auf saurem, magerem Boden. kein Speisepilz
Gilbender Rauhkopf Cortinarius rubicundulus vorwiegend im Laubwald, selten auch im Nadelwald. kein Speisepilz
Kupferroter Moor-Hautkopf Cortinarius uliginosus an feuchten Stellen, oft unter Weiden oder Erlen, evtl. bei Torfmoos (Sphagnum). kein Speisepilz
Schiefer Rauhkopf Cortinarius valgus bei Fichten oder im Laubwald (unter Birke und Buche). kein Speisepilz
Grünfaseriger Rauhkopf Cortinarius venetus im Laub- und Nadelwald, vorwiegend auf kalkreichem Boden; Sommer bis Herbst. kein Speisepilz
Dunkelvioletter Schleierling Cortinarius violaceus im Laub- oder Nadelwald. kein Speisepilz
Olivgelber Rauhkopf Cortinarius zinziberatus vorwiegend im Nadelwald, seltener im Laubwald; ab Frühsommer (Mai). kein Speisepilz
 
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