Hallimasche (Armillaria)

Die Hallimasche (Armillaria spp., auch bekannt als Honigpilz) bilden eine in Mitteleuropa beheimatete Pilzgattung in mehreren, schwer unterscheidbaren Arten bzw. Kleinarten. Man spricht hier auch von einem Aggregat, einem Hallimaschkomplex. Allen Arten gemeinsam ist der deutlich erkennbare „wattige“ Ring (lat. Armilla = Armband) am Stiel, der aber im Verlaufe der Reifung durch Witterungseinflüsse und Schneckenfrass verloren gehen kann. Der Pilz wird auch als Parasit bezeichnet, da er auch lebende Bäume befällt und damit den Baum sterben lässt.

Zur Herkunft des deutschen Namens „Hallimasch“ gibt es verschiedene widersprüchliche Angaben: Einmal soll er von „Heil im Arsch“ kommen wegen seiner angeblich kurativen Wirkung bei Hämorrhoiden. Eine andere etymologische Deutung leitet ihn von „hal (glatt, schlüpfrig) im Arsch“ ab, da die Hallimasche im rohen oder ungenügend gekochten Zustand eine stark abführende Wirkung besitzen.

Beschreibung

Der Hut ist bräunlich bis honiggelb, mit dunklen, büscheligen und haarigen Schüppchen bedeckt, die zum Rand hin in ihrer Anzahl abnehmen; im Alter können sie auch ganz fehlen. Der Hut bleibt während des Wachstums am Rand lange eingerollt. Gerne halten sich in diesem geschützten Hohlraum Pilzkäfer auf. Diese führen zu „unappetitlichen“ Flecken auf den Lamellen. Später wird der Hut immer flacher und ist im Alter manchmal auch niedergedrückt.

Die Lamellen stehen dicht und laufen am Stiel herab. Sie sind weiß bis rötlichgelb gefärbt. Die Sporen sind farblos, weshalb tiefsitzende Exemplare weiss bestäubt erscheinen können. Durch die Farbe der Sporen unterscheiden sich die Hallimasche von den ähnlich aussehenden Schüpplingen, die braunes Sporenpulver besitzen.

Der bis zu 20 Zentimeter lange Stiel ist wegen büscheligen Hervortretens oft gekrümmt. Er ist gelblichbraun gefärbt und wird nach unten hin dunkler. Unterhalb der Manschette ist der Stiel mit flockigen Schüppchen besetzt. Die Stielbasis ist deutlich knollig verdickt.

Das Fleisch des Hutes ist zart, der Stiel ist zäh-faserig. Ein eindeutiges Erkennungsmerkmal der Hallimasche ist das kratzende Gefühl, das nach etwa einer Minute im Rachen entsteht, wenn man ein Stück des rohen Pilzes kaut und wieder ausspuckt.

Verbreitung

Die Hallimascharten sind in gemässigten bis tropischen Zonen weltweit verbreitet. Sie sind von September bis Dezember auf lebendem oder totem Laub- oder Nadelholz zu finden.

Bedeutung

In jedem Fall sind die Pilze in rohem Zustand giftig. Auch können gelegentlich, trotz korrekter Zubereitung, Unverträglichkeitsreaktionen auftreten. Gründlich (z. B. 8 Min. lang) gegarte Hallimasche sind aber in vielen Gegenden, sehr beliebte, in Zentnermengen gesammelte und vermarktete Speisepilze. Der zähe Stiel wird meist entfernt. Die Angaben zum Speisewert treffen für alle Arten zu.

Ökologie

Der Hallimasch befällt unter anderem lebendes Holz mit braunschwarzem und weißem Mycel.Dieses entzieht der Wirtspflanze, auf der der Pilz parasitisch lebt, so viel Nährstoffe, dass das Holz seine Festigkeit verliert und schnell abstirbt. Danach kann sich der Pilz noch viele Jahre saprophytisch vom toten Holz ernähren. Auf diese Weise kann der Hallimasch im Waldbestand grossen Schaden verursachen.

Arten

Von den derzeit über 30 bekannten Arten kommen die folgenden in Europa vor:

  • Nördlicher Hallimasch (Armillaria borealis)
  • Keuliger Hallimasch (Armillaria cepistipes)
  • Moor-Hallimasch (Armillaria ectypa)
  • Gelbschuppiger Hallimasch (Armillaria gallica)
  • Gemeiner Hallimasch (Armillaria mellea)
  • Dunkler Hallimasch (Armillaria ostoyae)
  • Ringloser Hallimasch (Armillaria tabescens)

Besonderheiten

Eine Besonderheit der Hallimasche ist ihre Fähigkeit zur Biolumineszenz, das heisst das Pilzmyzel, und insbesondere frisch vom Myzel durchwuchertes Holz, kann – in völliger Dunkelheit mit blossem Auge gut erkennbar – durch chemische Prozesse ein kaltes Leuchten erzeugen: „Leuchtendes Holz“.

Von den meisten anderen Pilzarten unterscheiden sich die Hallimasche auch durch die Bildung von Rhizomorphen. Das sind wurzelähnlich sklerotisierte Pilzhyphenstränge aus tausenden von weissen Hyphen mit einer isolierenden schwarzen Aussenschicht. Unter der Rinde befallener Bäume können diese flachen schwarzen „Schnürsenkelgebilde“ leicht entdeckt werden. Mit Hilfe dieser Rhizomorphen, die jährlich bis zu drei Meter auch im Boden wachsen können, breiten sich die Hallimasche stark aus und greifen selbst gesunde Bäume in ihrer Reichweite an. Die Hallimasche zählen zu den gefährlichsten Forstschädlingen, da sie in der Wahl ihrer Wirte sehr flexibel sind. Sie können die allermeisten Gehölze (Laub- und Nadelholz, alle möglichen tropischen Plantagen-Bäume bis hin zu Ölpalmen, ja selbst Reben, Brombeeren und sogar Kartoffeln) besiedeln. In Europa zählen nur die Weisstanne (Abies alba) und die Eibe (Taxus baccata) zu den wenigen Ausnahmen, die nicht befallen werden. Oft werden z. B. durch Dürre oder Borkenkäfer vorgeschädigte Bäume bevorzugt.

Die Pflanzen zweier myko-heterotropher, also blattgrünloser Orchideengattungen in Asien bzw. Australien (Galeola, Gastrodia) gelten als Epiparasiten an Hallimaschen, das heisst, sie lassen sich von ihnen Nährstoffe zuführen, die diese wiederum ihren Wirtspflanzen entzogen haben.

Das grösste Lebewesen der Erde?

Das im Jahr 2000 aufgrund eines rätselhaften Waldsterbens entdeckte Myzel einer Hallimaschart (A. ostoyae) im Malheur National Forest (Oregon, USA) wurde wegen seiner Ausdehnung von über 880 Hektar, dem errechneten Alter von mindestens 2400 Jahren und seiner Masse von ca. 600 Tonnen als das größte bekannte Lebewesen der Erde bezeichnet. Der grösste Hallimaschklon Europas wurde 2004 in der Schweiz beim Ofenpass entdeckt. Er ist im Durchmesser 500 bis 800 Meter gross, bedeckt eine Fläche von 35 Hektar und ist etwa 1000 Jahre alt.

 
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