Wulstlinge (Amanita)

Untergattung Amanita

Arten mit nicht amyloiden Sporen und meist gerieftem oder geripptem Hutrand.

Sektion Amanita (Wulstlinge): mit Ring, dieser kann bei einzelnen Arten allerdings flüchtig sein, und knolliger, manchmal sogar mit deutlich gerandeter knolliger Stielbasis ohne eigentliche Volva. An der Stielbasis kommen warzige oder flockige abwischbare Velumreste vor, die in gleicher Weise auch auf dem Hut gefunden werden. Diese lassen sich zwischen den Fingern pulverig zerreiben. Zu dieser Form der Verteilung kommt es, weil das Velum universale ringsum aufreisst

Sektion Ceasareae (Kaiserlinge): mit gerieftem Hutrand, einem in Form einer Volva aufreisendem Velum universale und einem Ring, damit steht diese Sektion zwischen der Sektionen Vaginate (Streiflinge) und Amanita (Wulstlinge).

Sektion Vaginatae (Streiflinge) stets mit gerieftem Hutrand und einem zylindrischen Stiel, der in einer derb-ledrigen oder pulverigen, vergänglichen Volva steckt. Ein Velum partiale und damit ein Ring ist nicht vorhanden, der manchmal verwendete Trivialnamen Scheidenstreiflinge weist auf die beiden kennzeichnenden Merkmale hin. Velumreste können auf dem Hut zurückbleiben

Untergattung Lepidella

Diese Untergattung ist gekennzeichnet durch amyloide (mit Jodreagenz anfärbbare) Sporen, einen meist nicht gerieften Hutrand, einen Ring am Stiel sowie flockige, warzige oder schollenförmige Reste des Velum universale auf dem Hut.

Diese Untergattung wird in bis zu 4 Sektionen unterteilt:

Sektion Lepidella: gilt als die wahrscheinlich ursprünglichste Gruppe der Gattung. Die Arten der Gattung haben einen jung immer stark mit Velumfetzen behangenen Hutrand. Das sehr flüchtige und auf der Huthaut abwischbare Velum enthält viele Spaerocyten und nur wenig fadenförmige Hyphen, es lässt sich zwischen den Fingern zu einem sehr feinen Pulver zerreiben. Auch der Ring dieser Arten ist sehr flüchtig, die Stielbasis ist wulstig, knollig oder zwiebelartig wurzelnd, eine Volva ist nicht vorhanden. Die Arten dieser Sektion sind meist mehr oder weniger hell gefärbt

Sektion Amidella: mit ebenfalls behangenem Hutrand, jedoch wesentlich dauerhafterem, da aus miteinander verflochten Hyphen bestehendem Velum. Die Stielbasis steckt in einer derben, dauerhaften Volva, der Stiel ist meist zylindrisch und nicht knollig. Die Lamellen und das Velum einiger Arten dieser Sektion bräunen oder schwärzen beim Trocknen oder Liegen. Von dieser Sektion kommen in Mitteleuropa nur wenige Vertreter vor

Sektion Phalloidae (Knollenblätterpilze): diese Sektion, die die giftigsten Vertreter der Gattung (ausserhalb Europas auch Speisepilze) enthält, ist gekennzeichnet durch eine stabile, sackartige und dauerhafte Volva, in welcher der zylindrische und nicht knollige Stiel steckt. Reste des Velum fehlen meist auf der Hutoberfläche. Wenn sie vorhanden sind, sind sie dick, schollenförmig und vereinzelt.

Sektion Validea: Zu dieser Sektion gehören Arten einer meist deutlich gerandeten, knolligen Stielbasis bei denen das Velum universale auf dem Hut und an der Stielbasis feine bis grobe, regelmässige oder unregelmässige mit den Finger zu Krümeln oder Pulver zerreibbare Schollen, Warzen oder Flocken aufweist. Die Hutfarbe kann weiss, rosa, gelb, ocker oder braun sein. Eine Volva fehlt meist.

Bedeutung

Die Arten der Gattung Amanita besitzen eine grosse ökologische Bedeutung als Mykorrhiza-Partner diverser Baumarten. In Mitteleuropa sind unter anderem Fichte, Birke, Eiche und Buche mit Arten dieser Gattung vergesellschaftet. Einige Amanita-Arten wie der Kaiserling und der Perlpilz sind beliebte Speisepilze.
Zur Gattung gehören mit den eigentlichen Knollenblätterpilzen einige sehr gefährliche, potentiell tödliche Giftpilze.

Beschreibung

Mittlere bis grosse Pilze mit auffälligen Eigenschaften.
Jung kugelig bis eiförmig, aus dem Gesamtvelum hervorbrechend, später ausgebreitet gewölbt bis flach, hie und da etwas gebuckelt.
Auf der glatten, teils am Rand gerieften Hutoberfläche in verschiedenen, bisweilen intensiven Farben finden sich oft Hüllreste.
Sie sind konzentrisch oder unregelmässig angeordnet, klein, warzig, kegelig-warzig oder auch gross, fransig-wollig, meist weiss, weisslich oder graubraun, seltener gelblich.
Die Lamellen sind frei und meistens weiss wie das Sporenpulver.
Ausnahmen bilden der Meergrüne Wulstling (A. solitaria) mit leicht grünlichen Lamellen und ebenso gefärbtem Sporenpulver und der Kaiserling (A. caesarea) mit sattgelben Lamellen, jedoch trotzdem weissem Sporenpulver.
Bei allen Arten der Gattung bleiben an der Stielbasis mehr oder weniger deutliche Reste von der Gesamthülle zurück, sei es eine häutige, auffällige Scheide, ein gerade abgestutzter Randwulst oder eine warzige oder flockige Zone.
Nur teilweise findet sich am Stiel ein häutiger, hängender Ring (Wulstlinge und Knollenblätterpilze).
Alle Scheidenstreiflinge (Amanitopsis) sind jedoch ohne Ring.
Zur Bestimmung der Art stellt sich zuerst die Frage nach Ringresten. Allerdings bleibt in diesem Fall immer eine gewisse Unsicherheit; vielleicht war ein Ring da, aber es finden sich keinerlei Reste mehr davon.
Weitere Kriterien sind die Hutfarbe, die Beschaffenheit der Volva, ein geriefter oder ungeriefter Hutrand oder Ring. Diese Gattung enthält sowohl tödlich giftige Arten wie auch ausgezeichnete Speisepilze.
Es ist für Pilzsammlerinnen und -sammler unbedingt nötig, den Grünen Knollenblättterpilz (A. phalloides) und die Weissen Knollenblätterpilze (A. verna, A. virosa), die allesamt tödlich giftig sind, den sehr giftigen Pantherpilz (A. pantherina) und nicht zuletzt den bekannten Fliegenpilz (A. muscaria) zu kennen.

Erst das sichere Erkennen einer essbaren Art, gekoppelt mit dem ebenso sicheren Ausschluss einer ähnlichen, gefährlich giftigen Art, gewährleistet die nötige Sicherheit zum Konsumieren von Pilzen.
Es wird deshalb auch empfohlen, alle Arten, die leicht mit den genannten, gefährlichen zu verwechseln sind, ebenfalls zu meiden (z.B. den Grauen Wulstling, A. spissa). Bei einigen essbaren Pilzen der Gattung ist es besonders wichtig, dass sie gut gekocht werden, da sie roh giftig sind (z.B. der Perlpilz, A. rubescens).

Deutscher Name Botanischer Name Vorkommen Speisewert
Zweifarbiger Scheidenstreifling Amanita battarrae vor allem in höher gelegenem Nadelwald; Sommer bis Herbst. essbar
Riesenscheidenstreifling Amanita ceciliae im Laub- und Nadelwald. essbar
Orangegelber Scheidenstreifling Amanita crocea im Laub- und Nadelwald; Frühsommer bis Herbst. essbar
Rotbräunlicher Scheidenstreifling Amanita fulva im Laub- und Nadelwald. essbar
Silbergrauer Scheidenstreifling Amanita mairei im Laub- und Nadelwald; Frühsommer bis Herbst. essbar
Perlpilz Amanita rubescens in Laub- und Nadelwald, Park; Frühsommer bis Herbst. essbar
Grauer Scheidenstreifling Amanita vaginata im Laub- und Nadelwald; Frühsommer bis Herbst. essbar
Fransiger Wulstling Amanita strobiliformis vorwiegend im Laubwald, auf kalkreichem Boden; Spätsommer bis Herbst. essbar
Spitzhütiger Knollenblätterpilz Amanita virosa vorwiegend im Nadelwald auf saurem Boden, seltener im Laubwald. tödlich giftig
Grüner Knollenblätterpilz Amanita phalloides vor allem im Laubwald (bei Eichen), selten bei Nadelbäumen; Sommer bis Herbst. tödlich giftig
Fliegenpilz Amanita muscaria im Laub- und Nadelwald; Sommer bis Herbst, Spätherbst. giftig
Pantherpilz Amanita pantherina im Laub- und Nadelwald, vorwiegend auf saurem Boden; Sommer bis Herbst. giftig
Porphyrbrauner Wulstling Amanita porphyria im Nadelwald, auf saurem Boden; Sommer bis Herbst. giftig
Brauner Fliegenpilz Amanita regalis im Laub- und Nadelwald; Sommer bis Herbst, Spätherbst. giftig
Frühlings-Knollenblätterpilz Amanita verna vor allem im Laubwald, vor allem bei Eichen (Quercus) und Kastanien (Castanea); Frühling bis Sommer. giftig
Rauher Wulstling Amanita franchetii im Laubwald, vorwiegend in wärmeren Gegenden; Sommer bis Herbst. giftverdächtig
Igel Wulstling Amanita solitaria im Laubwald, in Parks, selten im Nadelwald; Frühjahr bis Herbst. giftverdächtig
Hellflockiger Scheidenstreifling Amanita beckeri im Laubwald, vorwiegend bei Eichen, auf kalkreichem Boden; Sommer bis Herbst. kein Speisepilz
Kaiserling Amanita caesarea in trockenem Laubwald, vorwiegend bei Eiche oder Edelkastanie in warmen Gegenden. kein Speisepilz
Gelber Knollenblätterpilz Amanita citrina im Laub- und Nadelwald, auf saurem Boden; Sommer bis Herbst. kein Speisepilz
Braunschuppiger Wulstling Amanita codinae im Laubwald, in Parks, selten im Nadelwald; Frühjahr bis Herbst. kein Speisepilz
Isabellfarbener Wulstling Amanita eliae im Laubwald, vorwiegend auf saurem Boden; Sommer. kein Speisepilz
Grauer Wulstling Amanita excelsa in Laub- und Nadelwald, Park; Sommer bis Herbst. kein Speisepilz
Erlenscheidenstreifling Amanita friabilis bei Erlen; Herbst. kein Speisepilz
Narzissengelber Wulstling Amanita gemmata im Laub- und Nadelwald, vorwiegend in wärmeren Gebieten; Frühjahr und Herbst bis Spätherbst. kein Speisepilz
Ockergrauer Scheidenstreifling Amanita lividopallescens Bei Laubbäumen, vor allem Buche (Fagus) und Eiche (Quercus), auf Waldwiesen, am Wegrand, auf kalkreichem Boden; Sommer bis Herbst. kein Speisepilz
Grossscheidiger Scheidenstreifling Amanita magnivolvata in lichtem, grasigem Wald. kein Speisepilz
Behämmerter Scheidenstreifling Amanita malleata z.B. bei Pappeln; Sommer bis Herbst. kein Speisepilz
Schneescheidenstreifling Amanita nivalis im subalpinen Nadelwald, in alpiner Zone bei Zwergweide. kein Speisepilz
Eierwulstling Amanita ovoidea im Laub- und Nadelwald, auf kalkreichem, sandigem Boden, in warmen Gegenden; Sommer bis Herbst. kein Speisepilz
Grauhäutiger Scheidenstreifling Amanita submembranacea in höher gelegenem Nadelwald, oft bei Heidelbeeren; Sommer bis Herbst. kein Speisepilz
Breitschuppiger Wulstling Amanita vittadinii im Mittelmeerraum. kein Speisepilz
 
/home/www/web252/html/pilzwiki/data/pages/pilzbestimmung/staenderpilze/klasse_agaricomycetes/01_unterklasse_hutpilze/ordnung_blaetterpilze/wulstlingsartige/wulstlinge_amanita.txt · Zuletzt geändert: 2014/07/04 13:51 (Externe Bearbeitung)     Nach oben