Frühjahrs-Giftlorchel (Gyromitra esculenta)

Die Frühjahrs-Giftlorchel (Gyromitra esculenta, syn. Helvella esculenta), auch Frühjahrslorchel, Frühlorchel oder Giftlorchel genannt, ist ein giftiger Pilz aus der Familie der Lorchelartigen (Helvelaceae).

Fruchtkörper

Der Hut der Frühjahrs-Giftlorchel ist hirnartig gewunden. Seine Färbung reicht je nach Standort von ocker-, rot- und kaffeebraun bis schwarzbraun. Die Wülste des Hutes sind mit dem grauweissen bis blassgelblichen Stiel verbunden. Der Hut ist wie später der Stiel hohl.

Vorkommen

Die Frühjahrs-Giftlorchel ist einer der ersten Pilze des Frühlings. Die Fruchtkörper können von März bis Mai in Strassengräben, sandigen Kiefernwäldern oder auf Kahlschlägen gefunden werden.

Bedeutung

Früher galt die Frühjahrs-Giftlorchel auch ohne einschränkende Angaben zur Zubereitung als Speisepilz. Der irreführende lateinische Name (esculenta = dt. „essbar“) deutet noch heute darauf hin. In Skandinavien, insbesondere in Finnland, ist der Verzehr des Pilzes noch weit verbreitet, wobei der Pilz zweimal abgekocht und das Kochwasser jeweils weggeschüttet werden muss. Mykologen raten jedoch generell dringend vom Verzehr ab. In vielen anderen Ländern (z.B. Spanien, Deutschland, Schweiz) ist heute der Verkauf der Frühjahrs-Giftlorchel als Speisepilz verboten.

Trotz eines gefährlichen Übersetzungsfehlers ist in Finnland ein Kochbuch mit einem Rezept für einen Lorchel-Kartoffelsalat jahrelang verkauft worden. Im Buch fehlte der Hinweis auf das zum gefahrlosen Genuss notwendige zweimalige Abkochen und Spülen des Pilzfleisches, weil es sich im englischsprachigen Original um einen Morchel-Kartoffelsalat gehandelt hatte.

Giftwirkung

Die Vergiftung durch die Frühjahrs-Giftlorchel wird als Gyromitra-Syndrom bezeichnet und ist lebensbedrohlich. In den Fruchtkörpern wurden die Substanzen phenylhydrazin und Gyromitrin isoliert. Gyromitrin ist ein wasserlösliches Zellgift, das ähnlich wie das Knollenblätterpilzgift wirkt. Roh genossen ist die Frühjahrs-Giftlorchel der zweitgiftigste Pilz überhaupt. Ein einziger Fruchtkörper kann bereits zum Tod führen – seit 1884 gab es in Finnland vier tödliche Vergiftungsfälle. Abgekocht ist die Giftwirkung erheblich schwächer. Darüber hinaus wird vermutet, dass eine längere Aufnahme des abgekochten oder getrockneten Pilzes zu einer allergischen Reaktion führt. Neben dem Verzehr sind sogar schon Vergiftungserscheinungen während des Kochens bei unzureichender Belüftung durch das Einatmen der flüchtigen Inhaltsstoffe aufgetreten.

Artabgrenzung

Versehentlich wurde die Frühjahrs-Giftlorchel schon für die Speisemorchel gehalten. Doch mit etwas Kenntnis lassen sich die beiden Pilze leicht unterscheiden: Die Speisemorchel hat keinen hirnartig gewundenen sondern einen durch Längs- und Querleisten netzartig aufgeteilten Hut – die Struktur erinnert an Bienenwaben.

Daneben ist auch die Verwechslung mit kleinen Exemplaren der ebenfalls giftigen Riesen-Lorchel möglich. Diese besitzt jedoch Fruchtkörper mit helleren, gelb-bräunlichen Hutfarben.

 
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